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Google: am Höhepunkt ist das Geschrei am lautesten (obwohl es fast vorbei ist)

2010/01/17

Google gegen den Rest der Welt. So scheint das Spiel derzeit zu heißen, ein Déjà-vu für alle älteren Semester. Google ist derzeit das, was Microsoft vor 5 Jahren, IBM vor 20 Jahren und Standard Oils vor gut hundert Jahren und war (um nur einige zu nennen) – unumstrittener Marktführer eines mit neuer Technologie selbst geschaffenen Marktes. Dass die Schaffung neuer Märkte regelmäßig mit der Zerstörung alter Märkte und Strukturen einhergeht wusste schon Josef A.  Schumpeter, der dafür den Begriff der schöpferischen Zerstörung prägte. Und jede Zerstörung hat ihre Geräusche und Opfer. Das wissen auch Steve Jobs und Apple. Auch Jobs treibt letztlich alte Industrien vor sich her und nimmt ihnen Umsätze weg.

Natürlich geht es den „alten“ Printmedien nicht gut. Ein erheblicher Teil ihrer früheren Umsätze läuft jetzt in Richtung Adwords. Und natürlich erkennt nicht nur Medien-Altmeister Ruport Murdoch das Paradoxon, dass vielfach erst die redaktionellen Beiträge der Printmedien Google für Suchende attraktiv machen (ein echtes catch22). Murdochs Bestrebungen in Richtung Abschottung seiner Inhalte gegenüber Google ist daher emotional verständlich. Ebenso das als Klage vorgebrachte Ansinnen der Verlagsbranche doch zumindest an den Werbeeinnahmen von Google beteiligt zu werden. Der Streit um den Content und die damit zusammen hängenden, mehrdimensionalen Verwertungs- und Bewerbungsrechte wird noch lange dauern, ist aber nur eine Dimension der „Digital Economy Transition“.

Es geht auch um Standortnachteile (schlag nach bei Michael Porter). Das wurde uns durch die französische Forderung einer Google-Steuer erneut nahe gebracht. Nationalen Steuerbehörden entgehen natürlich erhebliche Steuereinnahmen, wenn die werbetreibende Wirtschaft Milliarden Euro an Google bezahlt und Google seine Steuererklärungen in den USA oder sonst wo abgibt. Dieses Phänomen ist nicht fundamental neu aber in der Dimension: Google erzielt damit einen Gewinn von über US-$ 4,2 Milliarden (2008) und viel davon kommt aus Non-USA. Es findet seit Beginn der Digitalisierung eine Verschiebung von vormals lokalen Ressourcen in Richtung USA statt, wo bereits über Jahrzehnte hinweg eine Kumulation von Kapital, Know-How und Kollektivintelligenz stattfindet und das zu komparativen Wettbewerbsvorteilen der USA führt. Und leider ist Google diesbezüglich nur der vorläufig letzte Treiber dieser Transformation und zeigt das wirtschaftspolitische Versagen Europas brutal auf.   

Aber während sich die Welt noch mit Google konfrontiert übernimmt längst facebook die Position des neuen Leitunternehmens der „Digital Economy“. Und mit facebook werden nicht nur Kapital, sondern auch private Daten samt Sozialen Graph in den USA landen. Politiker brauchen Daten der Amerikaner, um Wahlen in Europa zu gewinnen (lol). Aber jetzt schreien wir einmal lustvoll am Höhepunkt des Google-Aktes!